Trans-it! speech expositie-opening 9-6-2018

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Mit der Ausstellung Trans-it! möchte ich mit Ihnen die Einsicht teilen, dass wir unsere Umgebung mit unserem eigenen Bewusstsein formen.
Darum mein Aufruf Trans-it!: Geben Sie der idealen Welt Gestalt!

Wir sind hier zu Gast in der Ital Reding-Hofstatt. Der Besuch des historischen Wohnmuseums hat mich zu der Einsicht gebracht, dass das astronomische und das soziale Weltbild miteinander verbunden sind: Das astronomische Weltbild (makro), spiegelt sich im  sozialen Weltbild (mikro).
Das bedeutet, dass wir unsere Umgebung selbst erzeugen.
Der Ausstellungstitel Trans-it! ist daher ein Aufruf: ‘Geben Sie der idealen Welt Gestalt!‘

Das heutige Wohnmuseum, das Ital Redinghaus, wurde ab 1609 erbaut. Damals hatten die Menschen ein anderes Weltbild:
Jahrhunderte lang dachte man, dass die Erde / der Mensch der Mittelpunkt des Weltalls sei. Kopernikus veröffentlichte 1543 die Erkenntnis, dass sich die Erde um sich selbst und um die Sonne dreht. In der Zeit, in der hier das heutige Redinghaus entstand, wurden also wichtige Entdeckungen in der Forschung gemacht und im wunderschönen Ital Redinghaus weist vieles auf ein grosses Interesse an den Geschehnissen der Welt und der Forschung hin. So sind im Herrenhaus unter anderem prächtige Einlegearbeiten in Holzböden zu sehen mit Abbildungen von mathematischen Messgeräten. Ein Besuch im Wohnmuseum kann ich Ihnen in allen Hinsichten sehr anraten.

Auch wenn damals langsam die neue Einsicht bekannt wurde, dass nicht die Erde im Mittelpunkt des Alls steht, war das Weltbild zentral geordnet: Das Universum war geometrisch, um die Sonne herum angeordnet. Das Zentrum wichtig, die Peripherie unwichtig. Die Gesellschaftsstruktur spiegelte sich in dieser Ordnung, war machtpolitisch bestimmt.
Die Leitung hatte  die gesamten wirtschaftlichen, politischen und rechtlichen Macht in Händen.

Die Epoche der Aufklärung hat dann im 18. Jahrhundert große Veränderung gebracht durch die Ansicht, dass alle Menschen gleich sind. So begeisterte beispielsweise der Genfer Jean-Jacques Rousseau sich in seinem Gesellschaftsvertrag für die Demokratie.
Die Epoche der Aufklärung hat große soziale Veränderungen und die Gewaltentrennung gebracht.
Die Naturwissenschaft konnte sich von nun an von der Kirche lösen und so entstand schliesslich ein astronomisches Bild, worin auch das Nicht-Sichtbare im Universum umfasst werden konnte.

Das astronomische und das soziale Weltbild haben sich verändert.
Wir sehen eine Verbindung des astronomischen und sozialen Weltbildes im Bewusstsein
der Menschen. Das bedeutet, dass wir mit unserem Bewusstsein unser Leben selbst bestimmen.

Heute wissen wir, dass das Weltall viel größer ist als der für uns sichtbare Sternenhimmel. Wir erkennen, dass selbst unser ganzes Sonnensystem bloss ein kleiner Punkt ist im gigantischen Kosmos ist.

Das griechische Wort Kosmos bedeutet: Das geordnete Ganze.
Geordnet heißt auch Sinn und Zusammenhang. Alles steht miteinander in Verbindung. Nichts steht für sich selbst. Alle Dinge formen zusammen ein Ganzes, das mehr ist als die Summe seiner Teile. In jedem Teil (Mikrokosmos), kann man das Ganze (Makrokosmos) erkennen.

Alles ist ein Teil des Systems, worin jede Einheit (Mikrokosmos) eine doppelte Neigung zeigt:
Als Ganzes hat die einzelne Einheit die Neigung zur relativen Autonomie. Aber als Fragment zeigt es die Neigung, sich im Großen (Makrokosmos) zu integrieren, ein Teil davon zu werden.
Der große Zusammenhang, das große Ganze, macht jede Selbständigkeit relativ und alle Gegensätze zum Schein, weil sie vereinigt werden in der Gesamtheit.

Tag-Nacht, Sommer-Winter, aufblühen und verwelken, sterben und geboren werden, Mann-Frau, Körper und Geist: Sie sind aufgenommen in einem einander bestimmenden Bezug und Zusammenhang. Diese zyklischen Prozesse stehen in Verbindung mit der Positionsveränderung der Himmelskörper. Sie zeigen einen Rhythmus: Wie zum Beispiel die Jahreszeiten, oder das
Zu- und Abnehmen des Mondes, das sich in Ebbe und Flut zeigt.

Gegensätzlichkeiten sind also nur relativ, sie ergänzen sich zum Ganzen. Zentrum und Peripherie sind auswechselbar: Die Milchstraße ist im Kosmos nur ein kleiner Punkt im All. Klein-Groß, Wahr-Falsch, Alle Gegensätze sind plötzlich nur beschränkt zu gebrauchen. Was ist die Wirklichkeit wert, wenn wir uns vergegenwärtigen, dass ein hell strahlender Stern am Nachthimmel vielleicht seit Jahrtausenden gar nicht mehr dort steht? Es ist ja möglich, dass er schon lange ausgeglüht ist und bloss sein Licht noch unterwegs ist.

Was können wir glauben, worauf können wir unsere Wirklichkeit bauen?
Wir sehen die Auswirkung davon beispielsweise im Problem der gefälschten Nachrichten:

Wie ich mich orientiere in diesem undeutlichen Weltbild, will ich ihnen gern anhand des Bildes einer Zelle aufzeigen. Das Bild der Zellteilung, des Kleinsten, finden wir auch im Großen, in der Gestaltung neuer Galaxien wieder. Ich gebrauche es hier als Symbol für den Menschen:
Die Natur zeigt uns, dass die Zelle, bevor sie sich teilt, den Zellkern, also die wichtigste Information, in zwei Teile aufteilt.
Das Entstehen des zweiten Zellkerns in der einen Zelle vergleiche ich mit der historischen Zeit der zentral orientierten Gesellschaft.
In der Dualität konnte das ICH-Bewusstsein entstehen. Durch eine Stellungnahme, durch die Gegenüberstellung, konnten wir unsere Identität entwickeln: soziale Position, Karriere etc.
Unser weiter entwickeltes Weltbild führt uns jetzt zur Erkenntnis, dass die erst so glaubwürdig erschienenen Grössenverhältnisse sehr relativ sind.
Heute können wir sehen wie klein die Erde ist, und wie klein und groß zugleich wir als Mensch / Menschheit sind.
Der Mensch ist im Kosmos so klein wie eine Zelle, doch hat der Mensch etwas grossartiges: Wir sind nicht bloß eine Ansammlung von Zellen, die miteinander funktionieren (was an sich schon bemerkenswert ist), sondern wir besitzen auch ein Bewusstsein: Wir können unsere Situation reflektieren, kreativ denken und handeln. Wir sind also nicht bloß Materie, wir sind auch Geist / Energie. Mit dieser Denk-, Gefühls- und Willenskraft entsteht in unserem Bewusstsein ein neues Weltbild:

Durch die Erkenntnis des neuen Standpunktes, Zentrum und Peripherie zugleich zu sein, entdecken wir, mit allem in Verbindung zu stehen. Auch wir sind Mikro und Makro zugleich.
Durch unser Bewusstsein können wir uns mit dem Makrokosmos zur Einheit verbinden und zugleich unsere vollständige, individuelle Identität behalten.

Unser neues Weltbild spiegelt sich auch in den technischen Möglichkeiten, die wir haben, in der sozialen Medien. Wir vernetzen uns mit selbstgewählten Kontakten über die ganze Welt, wir beeinflussen damit unsere Umgebung mehr denn je. Beispiele:
• New York: Zur abgesprochenen Zeit (an einem Wintertag) standen viele Leute in der Unterhose in der Metro.
• Nordsee: Walfische werden gerettet durch Aufruf auf Facebook.
• India: Dahlid (Leute der niedrigsten Kaste) organisieren sich gegen Kastendiskrimination.

Nun führe ich Sie wieder zurück zum Bild der Zellteilung.Der Zellkern hat sich geteilt und stand sich selbst in einer Spiegelung gegenüber. Schliesslich lösen sich die Teile von einander, um zwei selbstständige Zellen zu formen.
Die Zelle gibt also ein Teil seines Wesens, seines Kerns, weg. Durch ein Teil von sich weg zu geben entsteht neues Leben!

Symbolisch übertrage ich dieses Wissen auf unser heutiges Weltbild. Wir erkennen, dass wir dem erst erworbenen ICH-Bewusstsein der Gegenüberstellung und dem heutigen Verbundenheitsbewusstsein mit dem Ganzen, auf unsere Umgebung Einfluss nehmen zu können.

Malala, die pakistanische Kinderrechtsaktivistin, die als 14-Jährige den Nobelpreis bekam, sagt: «Our words will change the world, because we‘r all together»

Das Anreichen, das Weitergeben von Gedankengut, sehe ich hier im Bild der Zellteilung wieder symbolisiert. Wir haben die Freiheit, unsere Einsichten miteinander zu teilen. Unsere Ideale können dadurch wachsen und zur Entwicklung kommen. Das Bewusstsein formt die Welt, in der wir leben.
Dann kommt hiermit sofort die Frage auf: Was ist mir wichtig, was ist mein Ideal? Nun, da wir wissen, dass alles miteinander in Verbindung steht, stellen wir fest, wie bedeutend die Eigenverantwortung ist für das, was wir in die Welt setzen!

Ich freue mich, Ihnen Patrick Hohmann und Kilian Wiget vorstellen zu dürfen, die beide mit Engagement, Erkenntnis und Eigenverantwortung ihre Arbeiten und ihr Leben in diesen Sinne ausgerichtet haben.
Referat: Patrick Hohmann
Referat: Kilian Wiget
Dankwort für die zwei tollen persönlichen Beispiele.

Anhand der ausgestellten Bilder und den gesprochenen Worten möchte ich sie dazu einladen, sich über Ihre eigenen Ideale miteinander zu unterhalten und danke für Ihre Aufmerksamkeit.